Warum euch Fachkräfte vor der Vertragsunterschrift absagen

17. März 2025

Warum euch Fachkräfte vor der Vertragsunterschrift absagen – und wie ihr das verhindern könnt

Fachkräfte, die kurz vor der Vertragsunterschrift abspringen, sind für viele Unternehmen ein frustrierendes Problem. Doch warum passiert das so oft? Der Hauptgrund ist, dass die Bewerber*innen nicht wirklich begeistert sind. Wenn eine Stelle spannend erscheint, sind sie eher bereit, Kompromisse einzugehen – sei es beim Gehalt oder anderen Faktoren. In diesem Artikel zeigen wir euch, wie ihr einen Bewerbungsprozess gestaltet, der Fachkräfte begeistert und Absagen kurz vor Vertragsabschluss minimiert.

Das Problem: Fehlende Begeisterung

Typische Vorstellungsgespräche sind oft einseitig: Der oder die Bewerber*in wird ausgefragt, das Unternehmen fordert Informationen ein und am Ende heißt es: „Wir melden uns.“ Das schafft Unsicherheiten. In einem Arbeitsmarkt, in dem Fachkräfte keine Angst haben müssen, keinen Job zu finden, führt das dazu, dass sie sich für den Arbeitgeber entscheiden, der schneller ist und mehr Verbindlichkeit zeigt.

Die Lösung: Ein strukturierter Bewerbungsprozess

Ein mehrstufiger Bewerbungsprozess hilft, Unsicherheiten zu minimieren und gleichzeitig eine stärkere Verbindung zum Unternehmen aufzubauen. Empfohlen wird:

Stufe 1: Das Kennenlernen

  • Qualifikation erfragen
  • Beruflicher Werdegang und Motivation herausfinden
  • Warum hat es bei früheren Arbeitgebern nicht geklappt?
  • Den oder die Bewerber*in für die Stelle begeistern

Stufe 2 (optional): Persönlichkeitstest

  • Kandidat*innen werden gebeten, einen Persönlichkeitstest zu machen
  • Vergleich mit bestehenden und ehemaligen Mitarbeitenden

Stufe 3: Fachliches Kennenlernen & Selbstorganisation

  • 4-6 fachliche Fragen zur Einschätzung der Einsatzfähigkeit
  • Maximal 4 Fragen zur Organisation: „Wie planst du deinen Tag?“, „Hast du Routinen?“
  • Erstellen eines Leitfadens, um das Gespräch strukturiert zu führen

Begeisterung durch einen starken Pitch

Beginnt das Gespräch mit einer kurzen Überprüfung, wie gut sich die Bewerber*innen vorbereitet haben:

  • „Weißt du, was wir machen?“
  • „Kennst du unsere Dienstleistung XY?“

Dann folgt der Pitch:

  • Kurz die Historie des Unternehmens
  • Welche Mehrwerte werden für Kund*innen geschaffen?
  • Worauf ist das Unternehmen besonders stolz?
  • Welche Position wird besetzt und welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?

Wichtige Fragen im Bewerbungsgespräch

Nachdem der oder die Bewerber*in angezündet wurde, solltet ihr gezielt Fragen stellen:

  • „Kannst du deinen beruflichen Werdegang zusammenfassen?“
  • „Was hat dir an deiner letzten Stelle am meisten Spaß gemacht?“
  • „Wie stellst du dir deine nächsten Jahre beruflich vor?“
  • „Warum möchtest du den Arbeitgeber wechseln?“

Transparenz beim Gehalt

Viele Unternehmen vermeiden es, frühzeitig über das Gehalt zu sprechen. Doch genau das ist ein Fehler. Fragt aktiv nach den Gehaltsvorstellungen und reagiert direkt darauf. Falls die Vorstellungen zu hoch sind, bietet eine Perspektive:

  • „Mit deiner aktuellen Erfahrung können wir das Gehalt noch nicht zahlen, aber wenn du Bereich X übernimmst, ist das möglich.“
  • „Nach einer Einarbeitungszeit von 3-6 Monaten steigst du auf das Standard-Gehalt.“

Kein „Wir melden uns“ – Verbindlichkeit schaffen

Das schlimmste Ende eines Gesprächs ist „Wir melden uns.“ Stellt stattdessen Verbindlichkeit her:

  • Wenn ihr interessiert seid, vereinbart direkt einen zweiten Termin.
  • Falls ihr euch unsicher seid, haltet die Option offen, aber lasst den oder die Bewerber*in nicht im Unklaren.

Der zweite Termin: Fachliche & organisatorische Einschätzung

Im zweiten Gespräch sollte es darum gehen:

  • Fachliche Kompetenz mit einer Punkteskala bewerten
  • Selbstorganisation durch gezielte Fragen einschätzen

Viele Unternehmen nutzen eine Skala zur Bewertung fachlicher Fragen:

  • 0 Punkte – Keine Antwort
  • 2 Punkte – Grobe Richtung erkannt
  • 5 Punkte – Fachlich erfahren, aber unpräzise
  • 7 Punkte – Durch Rückfragen richtige Antwort gefunden
  • 10 Punkte – Richtige Antwort ohne Hilfe

Ein starkes Ende: Begeistern und Perspektiven bieten

Das Gespräch sollte nicht abrupt enden. Wiederholt die wichtigsten Punkte:

  • „Dich erwartet XYZ…“
  • „Wir sind besonders stolz darauf, dass…“
  • „Wir würden gerne mit dir zusammenarbeiten und bieten dir XYZ zu einem Gehalt von XYZ.“

Fazit

Fachkräfte springen kurz vor Vertragsunterschrift oft ab, weil sie nicht ausreichend begeistert wurden. Mit einem strukturierten Bewerbungsprozess, frühzeitiger Gehaltsklärung und einem starken Abschlussgespräch könnt ihr Verbindlichkeit schaffen und qualifizierte Fachkräfte langfristig für euer Unternehmen gewinnen.

Autor
Sascha Hahne

Sascha Hahne

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